Warum tun wir das?

Was hat uns bewogen an einem sonnigen Wochenende im April 2004 im Veranstaltungsraum des Hospiz Sinus zusammenzukommen, um die Schulung für Ehrenamtliche zu beginnen?

Mit dieser Frage wollten wir uns, die wir als Architektin, Dokumentarfilmerin, Fotografin, Journalistin, Arzthelferin, Lehrerin, Verwaltungsbeamtin und Vorleserin im Leben stehen, ausführlich beschäftigen.

Warum wollen wir Menschen, die sich in ihrer letzten Lebensphase befinden, einen Teil unserer Zeit schenken. Warum hoffen wir wiederum, von genau diesen Menschen einen Teil ihrer Zeit geschenkt zu bekommen?

Uns über unsere Motivation klar zu werden und erste Eindrücke von der angestrebten Aufgabe zu erhalten, bildeten die Schwerpunkte in der Schulung, die von der Hospizleitung und dem Hospizpsychologen angeboten wurde. An zwei Wochenenden und fünf Abenden haben wir einander ein wenig kennen gelernt und unsere Motivation erforscht. Wir erfuhren, dass unsere künftige Aufgabe auf die zwischenmenschliche Begegnung mit den Gästen ausgerichtet sein wird und haben uns in Gesprächsführung erprobt, die den Gast in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellte. Wir beschäftigten uns mit den seelischen und körperlichen Veränderungen von schwerkranken Menschen und haben in Rollenspielen etwas über Nähe, Distanz und Grenzen gelernt.

Dadurch sind wir auch immer wieder unseren eigenen Erwartungen, Hoffnungen und Ängsten begegnet.

Faszinierend fand ich die unterschiedlichen Erfahrungen, die jede Einzelne in ihren Hospitationen innerhalb der Schulung gemacht hat.

Da waren zum einen Ausfahrten von Gästen mit dem Rollstuhl, Nägelfeilen bei einer Frau, die gerade aus dem Krankenhaus gekommen war, Hilfe bei der Zubereitung des Abendessens, Gespräche mit Gästen und zum anderen auch intensiver Kontakt zu den Angehörigen. Übereinstimmend haben wir den großen Respekt wahrgenommen und schätzen gelernt, mit dem die Hospizmitarbeiter/innen den Gästen begegnen. Die Leichtigkeit und Fröhlichkeit, die auch den Tagesablauf bestimmt, erleben wir als wohltuend.

Jetzt besuchen wir schon seit einigen Monaten die Gäste des Hospizes.

Wir empfinden unsere Besuche im Hospiz gleichzeitig als etwas ganz Normales und dennoch als etwas sehr Besonderes.

Ursula Wydora

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