„Wie hoch ist oben“?

… könnte ich als Antwort auf die Frage „Wann beginnt Trauer?“ entgegnen! Angehörige gelten oft als lästig und schwierig, wenn sie Erklärungen und Gespräche einfordern oder gar den behandelnden Ärzten widersprechen. Dabei wird häufig übersehen, dass Angehörige und Freunde in höchstem Maße trauern.

Sie müssen den gleichen prozesshaften Weg der Auseinandersetzung mit der tödlichen Erkrankung und ihren beängstigenden Begleitumständen zurücklegen, wie der Kranke selbst.

Die Entscheidung den Partner, den Freund, die Mutter oder den Vater ins Hospiz zu geben, fällt ihnen sehr schwer. Dazu kommt noch eine besondere Angst vor Überforderung und Versagen.

Ein Ehemann sagte in einem Aufnahmegespräch zu mir: „Die Vorstellung, dass für die Aufnahme meiner Frau ein anderer Mensch sterben muss und ich den Abschied von ihr noch vor mir habe, ist ganz schwer für mich.“

Es wird von Angehörigen erwartet, den Kranken zu unterstützen, dabei stehen sie selber häufig vor dem inneren und äußeren Zusammenbruch.

Oft sehnen sie sich angesichts der todernsten Lage danach, offen zu sprechen, wissen aber nicht wie, weil sie in einem familiären Klima von Verschleierung und Schonung aufgewachsen sind. Sie sehen die HospizmitarbeiterInnen und ÄrztInnen als Verbündete, aber manchmal empfinden sie ihnen gegenüber auch Konkurrenz um Nähe und Schuldvorwürfe, dass dem geliebten Menschen nicht mehr geholfen werden kann.

In dieser Situation fühlen sie sich oft unverstanden und alleingelassen.

Eines unserer wichtigen Anliegen im Hospiz ist es, die Gefühle, die Nöte und Sorgen der Angehörigen und Freunde genauso ernst zu nehmen, wie die unserer Gäste. So wie jeder von uns seine nahen Beziehungen auf individuelle Art gestaltet, so unterschiedlich ist auch seine Art, sich daraus zu lösen.

Im Hospiz möchten wir Angehörige dabei unterstützen den Abschied aktiv und bewusst zu gestalten.

Bewusstes Abschiednehmen befähigt uns, Trauer als lebensfördernden Weg zu begreifen. Nicht verarbeitete Trauer hindert am kraftvollen Weiterleben.

Ein chinesisches Sprichwort sagt:

„Du kannst nicht verhindern, dass die schwarzen Vögel der Trauer über deinem Kopf kreisen. Dafür kannst Du aber Sorge tragen, dass sie auf deinem Kopf keine Nester bauen.“

Gabriela Holmer-Cichosz

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